Innovative Kunst- und Ausstellungsprojekte

Samstag, 13. September 2014

A Walk Through...

 
IBUg (Industriebrachenumgestaltung)

Nicht zuletzt wegen eines Urlaubs kann BeeJay Art Projects erst jetzt vom Besuch der IBUg berichten. Sie fand diesmal an zwei Locations in Crimmitschau am letzten Augustwochenende statt. BeeJay Art Projects war am Samstag bei bestem Sprayerwetter dort.  Soweit von einem Außenstehenden beurteilbar, war die Veranstaltung ein Erfolg. Über 80 Künstler (lt. Veranstalter) nahmen teil. Das Gelände des ehemaligen Lederwerks am Schützenplatz wurde - dem Titel der Veranstaltung gerecht werdend - zu einem künstlerischen Gesamtensemble umgestaltet. Viel Farbe, Kreativität, Spontanität und Witz waren dabei im Spiel. Auch außerhalb des eigentlichen Geländes haben sich die Sprayer etlicher Fassaden angenommen und ein bisschen Farbe in das relativ unattraktive Stadtviertel gebracht. Viele Besucher, alte und junge, waren unterwegs und schienen von der Veranstaltung durchaus angetan. Auch BeeJay Art Projects zeigte sich erfreut, wenngleich sich ein gewisses unterschwelliges, zunächst nicht näher definierbares, Unbehagen unter das Wohlwollen mischte. War es nur die Tatsache, dass BeeJay Art Projects grundsätzlich skeptisch reagiert, wenn zu viele Menschen (bei BeeJay Art Projects heißt das in der Regel mehr als fünf) der gleichen Meinung Ausdruck verleihen? Oder steckte da noch mehr hinter dieser unterschwelligen Skepsis? Es dauerte eine gewisse Zeit, bis dieses Gefühl zu einem formulierbaren Gedanken reifte und entsprechend hier wiedergegeben werden kann. Wie bereits geschrieben hat es BeeJay Art Projects im ehemaligen Lederwerk gefallen aber die Industriebrache war einen Tick zu sauber, zu aufgeräumt und ordentlich, um dieser Art der Kunst das passende Ambiente zu bieten. Speziell in den Hallen wirkte die Präsentation der Arbeiten teilweise schon fast museal.
 
Eine Steigerung war dann am zweiten Spot der IBUg zu erfahren, die ehemalige Tuchfabrik, ein Industriemuseum. Das Museum selbst ist nach Ansicht von BeeJay Art Projects in keinster Weise ein Zeugnis einer ehemaligen Industrieanlage. Jeder einzelne Backstein der Gebäude ist auf Hochglanz geschrubbt, so dass das Ganze mehr wie eine Attrappe wirkt, ein industrielles Disneyland, als dass es in irgendeiner Weise den Eindruck einer Fabrik widerspiegelt, in der tatsächlich gearbeitet wurde. Obwohl sie hier besonders Not getan hätten, durften an diesen Fassaden keine Graffitis das Ensemble "verschandeln" und die Künstler beschränkten sich auf Installationen im Inneren. BeeJay Art Projects möchte hier nicht den künstlerischen Wert der Arbeiten negieren, jedoch hatte das Ganze nichts mehr mit einer "Industriebrachenumgestaltung" zu tun. Es war eben Kunst in einem Museum. Die ehemalige Tuchfabrik als Teil der IBUg war nach Meinung von BeeJay Art Projects komplett überflüssig.

Nun stellt sich die Frage nach dem Warum. Warum wird Graffiti, Street Art, Urban Art museal? Sind es die Künstler, die ins Museum bzw. in die Galerien drängen, um auf dem etablierten Kunstmarkt eine Rolle spielen zu können? (Wird für 99,5% der Künstler nicht funktionieren). Sind es die Museen und Galerien selbst auf ihrer permanenten Suche nach einem neuen Kick, die die Künstler anlocken (sie aussaugen und dann wegschmeißen, wenn sich der Erfolg nicht einstellt)? Oder ist es eine perfide Strategie der Gesellschaft, die die einstigen Rebellen mit dem Mäntelchen der Akzeptanz einhüllt und so fest umarmt bis diese in Ermangelung an freier Luft zum Atmen angepasst und brav ihre Kunst an den dafür zugewiesenen Örtlichkeiten zeigen?
 
Es wird wohl von Allem etwas sein, denkt BeeJay Art Projects und schaut sich schon mal nach Neuem um.


 

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